Welcher Typ steht der Chancengleichheit der Frauen im Weg? Der Stereotyp!

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Wenn es um Gleichberechtigung und Chancengleichheit geht, werden Frauen systematisch benachteiligt. Die gleichberechtigte Teilhabe am Wirtschaftsleben liegt noch in weiter Ferne. Tendenziell geht die Gleichberechtigung in Deutschland sogar zurück. Das Entgelttransparenzgesetz und die eingeführte Frauenquote sind zwar ein erster Anfang – aber mangels ernsthaften Durchsetzbarkeitsmechanismen wirken nicht so wie sie sollten. Im Ranking des Weltwirtschaftsforums zum Stand der Gleichberechtigung ist Deutschland auf den 14. Platz zurückgefallen. Im Vorjahr lag Deutschland noch auf Platz 12 und im ersten Jahr des Reports 2006 war es noch der fünfte Platz.

Dabei werden vier Faktoren in die Beurteilung mit einbezogen: die wirtschaftliche Chancengleichheit, die politische Mitwirkung, das Bildungsniveau und der Zugang zu medizinischer Versorgung und Hygiene.

Ein Problem in Deutschland ist die politischen Mitwirkung, die ebenfalls zurückgegangen ist. Gewählte Politiker sollen das Volk vertreten. Doch im Bundestag sind nicht mal zu einem Drittel Frauen vertreten. Dabei leben in Deutschland sogar 2 Millionen mehr Frauen als Männer.

Außerdem ist der Arbeitsmarkt hierzulande für Frauen problematisch. Er verlagert sich hin zu wieder mehr Teilzeitarbeit. Ein Grund dafür könnte die voranschreitende Digitalisierung und Automatisierung sein, welche sich besonders stark auf typische Frauenberufe auswirkt.

Ein weiteres schwieriges Thema ist die fehlende Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und die mangelnde Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen. Diese beiden Bereiche sind in der Regel Aufgabe der Frau. Ist das Kind krank, ist es oftmals selbstverständlich, dass Frauen von der Kita angerufen werden. Holt der Vater ein krankes Kind ab, haben Chefs oft wenig Verständnis. Diese Verständnislosigkeit auf der einen Seite und die Erwartungshaltung auf der anderen Seite ist für Frauen und Männer eine gleichermaßen schwierige Situation.

Hinzu kommt noch, dass Frauen in Mint-Berufen grundsätzlich fehlen. Selbst in den Ländern, in denen eine Vielzahl von Frauen Mathematik oder Naturwissenschaften studieren, sind Frauen nicht entsprechend oft in diesen Berufen vertreten. Oftmals geben sie ihren Beruf nach einigen Jahren zum Wohle der Familie auch wieder auf. Falls man dann doch eine Frau mit Mint-Kenntnissen kennt, ist diese eher auf den rangniedrigen Positionen beschäftigt.

Im Zeitalter der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz kommt noch hinzu, dass diese Technologien unser aller tägliches Leben jetzt schon enorm beeinflussen. Wenn sie jedoch mehrheitlich von Männern designt werden, verstärkt sich der Einfluss der Männer auf die Gesellschaft noch mehr. Frauen repräsentieren nicht einmal ein Viertel der Fachkräfte für künstliche Intelligenz.

Doch wie könnte sich das ändern? Ein zentraler Punkt sind dabei Stereotypen. Schon in der frühsten Kindheit werden Frauen durch rosa Spielzeug für Hauswirtschaft „begeistert“. Wieso gibt es kein rosa Chemie-Labor sondern nur eine rosa Kinderküche? Hinzu kommt, dass die Kinder von typischen Frauen und typischen Männern umgeben sind. Eigene Wünsche und Vorstellungen werden immer von Rollenbildern und Stereotypen abgeleitet. Die Mutter pflegt die Schwiegereltern, weil sie geduldig, lieb und nett ist. Der Vater verhandelt eine Gehaltserhöhung, weil er ja die Familie ernähren muss. Das setzt sich nicht nur in den Köpfen der Kinder fest, sondern auch in denen der Erwachsenen.

Diese weit verbreiteten Stereotypen und Vorurteile können oftmals weder Frauen noch Männer überwinden. Studien haben gezeigt, dass Frauen, die ihr Gehalt verhandeln wollen als unsympathisch eingestuft werden und seltener einen Job bekommen. Männern dagegen wird es als durchsetzungsfähig und ambitioniert ausgelegt. Grund dafür ist eine Gesellschaft, die Dinge unterschiedlich behandelt und nicht genügend Vorbilder hat. Wenn eine verhandelnde Frau etwas ungewöhnliches ist, dann wird ihr Gegenüber sie als außerhalb der Norm einstufen. Man sympathisiert erwiesenermaßen mit bekannten Verhaltensweisen. Das ist einer der wesentlichen Gründe, weswegen es in Deutschland ein um Branche und Arbeitszeit bereinigtes Gender-Pay-Gap von 7% für die gleiche Tätigkeit gibt. Unbereinigt sind es sogar 21%. Dieser Gehaltsunterschied trägt zum Teufelskreis bei. Denn wer weniger verdient, leistet eher Familienarbeit und stellt wieder ein weiteres Rollenbild dar, das die Sichtweise unserer Kinder prägt. Nur ein EntgeltANPASSUNGsgesetz wie in Island, das die Unternehmen verpflichtet Lohngleichheit herzustellen, kann den Gehaltsunterschied durchbrechen.

Auch wenn die Quote immer einen fahlen Beigeschmack hat, ist sie daneben eines der wenigen Mittel, die diesen Teufelskreis ebenfalls durchbrechen kann. Eine Studie aus Indien, wo 1993 durch einen Verfassungszusatz festgelegt wurde, zeigt, dass 33% der Sitze in den Dorfräten an Frauen gehen müssen. Wegen fehlender weiblicher Vorbilder auf diesem Gebiet entstand zuvor die allgemeine Überzeugung, dass Frauen für politische Ämter grundsätzlich ungeeignet sind. Zwei Jahrzehnte nach der Verfassungsänderung steigerte sich der Anteil auf Frauen in den Dorfräten auf nahezu die Hälfte. Auf Grund dessen kamen wesentlich mehr Frauen in Führungspositionen. Außerdem änderten sich die Rollenvorbilder. Eltern begannen sich für ihre Töchter einen Beruf in der Verwaltung und der Politik zu wünschen.

Diese Beispiele zeigen, dass solche Maßnahmen tatsächlich etwas bewirken können. Nur das reine Wissen um Stereotypen und Benachteiligung reicht nicht, dass Frau und Mann ihre Verhaltensweisen ändern können.

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