Verlasst euch nicht auf den Unterhalt nach Scheidung

Seit 2008 gibt es ein neues Unterhaltsrecht. Der Kerngedanke ist die materielle Eigenverantwortung eines jeden Partners nach Scheidung. Das heißt, dass Frauen sich nach dem Ende der Ehe selbst versorgen müssen.
Früher war es noch üblich, dass Mütter auch für die Versorgung schulpflichtiger Kinder Unterhalt bekommen haben. Unterhalt für den betreuenden Elternteil wird heutzutage allerdings nur noch bezahlt, wenn Kinder bis zum Alter von drei Jahren versorgt werden. Ob das so bleibt wird sich zeigen. Familienministerin Franziska Giffey will Vätern von Scheidungskindern entgegenkommen. Es gehe nicht an, „dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“

Vor Gericht können Frauen sich nur in sehr langwierigen Einzelfallentscheidungen mehr Unterhalt erstreiten, wenn sie sich in einer sehr langen Ehe auf ihre Absicherung durch den Mann verlassen hat. Das führt dazu, dass sich viele Frauen eine Scheidung gar nicht mehr „leisten“ können. Das wissen die meisten jedoch erst, wenn die Ehe eigentlich schon nicht mehr intakt ist. Denn dieses neue Unterhaltsrecht wird von den Frauen kaum zur Kenntnis genommen wird. Sie sind sozusagen vernebelt von der rosaroten Wolke und beschäftigen sich erst damit, wenn es zu spät ist.

Dazu kommt, dass viele Männer, die Unterhalt nach Scheidung zahlen müssten, ihrer Verpflichtung nicht nachkommen. Auch damit müssen die Frauen also rechnen.

Beschäftigt euch nicht zu spät mit dem Unterhaltsrecht

Zu spät ist es dann, wenn man sein eigenes Humankapital vergeudet hat. Wenn man sehr lange aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist und dann feststellt, dass die eigenen Arbeitsleistung nicht mehr annähernd so viel wert ist, wie sie es früher einmal war. Den Frauen bleibt dann kaum eine andere Wahl als einen gering(er) qualifizierten Job anzunehmen, mit dem sich der Lebensstandard, den sie während der Ehe hatten, nicht mehr halten lässt. Nur derjenige Ehepartner, der nicht in der Lage ist, für seinen Unterhalt selbst zu sorgen, kann mit nachehelichem Unterhalt rechnen. Dabei müssen triftige Gründe vorliegen wie Krankheit, sehr hohes Alter, zu niedriger Verdienst, um den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten oder Erwerbslosigkeit trotz sehr intensiver Suche. Das Gesetz prüft also nur, ob keine wesentlichen Gründe vorliegen, weswegen man sich nicht mehr selbst versorgen kann.

Das nächste Problem, das dann auf die geschiedene Frau mit gering qualifiziertem Job zukommt ist die Rente. An die private Altersvorsorge ist nicht mal mehr zu denken. Selbst wenn man daran denkt, weiß man nicht wie es geht. Schließlich hat sich der Ex-Mann immer um die Finanzen gekümmert. Sie laufen also sehenden Auges auch noch in die Altersarmut.

Wie kann eine Frau sich vor Scheidungsarmut schützen?

Erwerbstätigkeit und Humankapital

Die einfachste Möglichkeit ist es, immer Erwerbstätig zu bleiben oder nur kurze Unterbrechungen wegen Kindererziehung zu haben. Man sollte sein Humankapital immer im Blick haben. Irgendwann sind die Kinder eigenständig oder aus dem Haus. Spätestens dann sollte man wieder auf Vollzeit erhöhen oder sich ernsthaft Gedanken machen, ob der Teilzeitjob zum Leben reichen würde.

Zugewinnausgleich und Vermögensaufbau

Außerdem ist es wichtig das Thema Finanzen nicht dem Mann zu überlassen. Man muss selbst Verantwortung dafür übernehmen. Falls man nichts anderes geregelt hat, gilt im Falle einer Scheidung der Zugewinnausgleich. Dafür muss aber am Ende der Ehe auch mehr Vermögen vorhanden sein als zu Beginn. Frauen sollten sich also auch mit dem gemeinsamen Vermögensaufbau beschäftigen. Steigt nur der Lebensstandard und es wird nichts gespart und investiert, gibt es keinen Zugewinn. Falls das Vermögen in der Ehe schrumpft, muss man sich den Verlust teilen.

Versorgungsausgleich nach Scheidung

Die Rentenanwartschaften sind bei den Ehegatten in der Regel unterschiedlich hoch. Durch den Versorgungsausgleich werden diese Unterschiede ausgeglichen. Jeder Ehegatte bekommt die Hälfte derjenigen Rente oder Pension des anderen Ehegatten, die dieser während der Ehezeit erworben hat. Im Ergebnis haben nach dem Versorgungsausgleich beide Ehegatten eine gleich hohe Altersversorgung.

Nur falls die erworbene Rente des Ehemannes während der Ehe reicht, um auch den Lebensunterhalt der Frau im Alter zu decken, kann Frau der Rente ohne weitere Maßnahmen entspannt entgegensehen. Da man sich heutzutage jedoch kaum noch auf die gesetzliche Rente verlassen kann, ist auch hierbei Vorsicht geboten.

Mann verlässt Frau kaum Unterhalt nach Scheidung
Quelle Foto: Pixabay -CCO

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