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Finanzstolpersteine in einer Ehe … die Top 5 samt Lösungen

Viele Verheiratete wissen gar nicht, welche Rechte und Pflichten sie mit einer Ehe eingehen. Wer als Ehefrau finanziell unabhängig bleiben möchte oder Vermögen aufbauen will, sollte aber seine Rahmenbedingungen kennen. In diesem Artikel findest du die Top 5 Finanzstolpersteine in einer Ehe. Oftmals handelt es sich dabei auch um gefährliches Halbwissen. Wenn du sie im Blick hast, stolperst du nicht darüber sondern weißt wie du sie umgehen kannst.

Achtung: In den meisten Beispielen wird das Modell herangezogen, das immer noch am weitesten verbreitet ist: Frauen verdienen weniger, stecken mehr zum Wohle der Familie zurück und überleben die Ehemänner. Natürlich kann es auch anders herum sein. Das ändert aber nichts an der Lösung. Die sollte möglichst fair sein und beide Ehepartner nicht finanziell voneinander abhängig machen.

Vorsicht vor gefährlichem Halbwissen

Zum Einstimmen gibt es erst mal die fünf häufigsten Halbwahrheiten:

1. Uns gehört alles gemeinsam

2. Wenn eine/einer von beiden stirbt, erbt der/die andere automatisch alles.

3. Arbeiten lohnt sich wegen der Steuern nicht.

4. Erbe und Schenkung gehören mir bei einer Scheidung alleine.

5. Bei einer Scheidung bekomme ich Unterhalt.

Hand aufs Herz: Wer hat sich jetzt ertappt und fragt sich, was daran nicht stimmt? Am besten wir gehen die Top 5 Finanzstolpersteine in einer Ehe der Reihe nach durch.

1. Uns gehört alles gemeinsam.

Zugewinngemeinschaft (Quelle: Pixabay)

Der erste der Top 5 Finanzstolpersteine in einer Ehe dreht sich um die Vermögensaufteilung nach einer Ehe. Nur der Zugewinn während der Ehe wird bei einer Scheidung hälftig aufgeteilt. (Der Zugewinn ist alles was während der Ehe an Vermögen dazukommt.) Vorausgesetzt man hat in einem Ehevertrag nichts anderes vereinbart.

Lösung: Wer beispielsweise keine hälftige Aufteilung des Zugewinns möchte, kann den Zugewinnausgleich im Ehevertrag ausschließen oder anpassen. Man kann aber auch vereinbaren, dass beiden Ehepartnern tatsächlich alles gemeinsam gehört. Also auch das Vermögen, das vor der Ehe schon da war.

Beispiel: Zu Beginn der Ehe besitzt Julia Vermögen im Wert von 30.000 Euro. Dominik besitzt zum Zeitpunkt der Heirat 10.000 Euro. Bei der Scheidung beträgt ihr Vermögen jeweils 50.000 €. Im ersten Schritt ermitteln beide ihren jeweiligen Zugewinn (= Differenzbetrag zwischen Anfangs- und Endvermögen):

Der Zugewinn von Julia beläuft sich auf 20.000 Euro (Endvermögen von 50.000 Euro – Anfangsvermögen von 30.000 Euro)

Der Zugewinn von Dominik beträgt: 40.000 Euro (Endvermögen von 50.000 Euro –  Anfangsvermögen von 10.000 Euro)

Danach wird der Zugewinn der beiden verglichen und ausgeglichen:

Der saldierte Zugewinn beträgt 20.000 Euro (Zugewinn Dominik 40.000 Euro – Zugewinn Julia 20.000 Euro)

Julia kann von Dominik die Hälfte des saldierten Zugewinns fordern: 10.000 Euro

 Anfangs-vermögenEndv-ermögenZugewinnzu leistende Ausgleichszahlung
Julia30.000 Euro50.000 Euro20.000 Euro
Dominik10.000 Euro50.000 Euro40.000 Euro10.000 Euro
Tabelle: Beispiel Zugewinnausgleich

2. Wenn eine/einer von beiden stirbt, erbt der/die andere automatisch alles.

Erbfolge Ehefrau (Quelle:Pixabay)

Das ist einer der gefährlichsten Finanzstolpersteine in einer Ehe für verheiratete Frauen. Als Ehefrau erbt man nicht automatisch alles. Es kommt immer darauf an, ob es noch andere erbberechtigte Verwandte gibt. Man kann sich das Erbe schnell mit Schwiegermutter, Schwager oder den Kindern teilen müssen.

Lösung: Wenn ein entsprechendes Testament aufgesetzt worden ist, kann die Ehefrau zur Alleinerbin ernannt werden. 

Beispiel: Juttas Ehemann ist gestorben. Sein Bruder lebt noch. Es besteht seit Jahren kein Kontakt mehr. Da sie keine Kinder haben, erbt sein Bruder neben Jutta. Beide müssen das Erbe aufteilen. Da es hauptsächlich aus der Eigentumswohnung besteht, muss Jutta ihren Schwager auszahlen.

3. Arbeiten lohnt sich wegen der Steuer nicht.

Ehegattensplitting verleitet zur finanziellen Abhängigkeit (Quelle: Pixabay)

Viele Ehepartner verdienen stark unterschiedlich. Auch im Jahr 2020 sind es meistens die Frauen, die weniger verdienen und für die Familie beruflich zurückstecken. Es scheint auf den ersten Blick als würde sich Arbeiten für die Person, die weniger verdient, nicht lohnen. Denn dann reduziert sich die Steuerersparnis durch das Ehegattensplitting und netto bleibt oft nicht so viel übrig. Was dabei aber zu kurz kommt, ist die Altersvorsorge. Denn die Rente wird dadurch auch umso weniger. Zusätzlich ist man irgendwann so lange aus dem Job oder hat so viele Entwicklungsmöglichkeiten ausgelassen, dass man im Ernstfall nur noch schlecht bezahlte Berufe ausüben kann. Und da es hierbei um die eigene finanzielle Existenz geht, darf der Punkt bei den Finanzstolpersteine in einer Ehe nicht fehlen.

Lösung: Trotzdem arbeiten, auch wenn dadurch ein paar Steuereuros nicht gespart werden. Unterm Strich lohnt es sich, da trotzdem immer noch mehr Geld in der Kasse ist, wenn man arbeitet. Dazu kommen noch die Rentenansprüche, die aufgebaut werden. Außerdem ist es eine der besten Absicherungen überhaupt, wenn man jobtechnisch am Ball bleibt. Je weiter man sich aus dem Erwerbsleben zurückzieht, desto schwerer ist es am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Beispiel: Karina dachte lange, dass sich arbeiten für sie nicht lohnt. Ihr Mann hat immer deutlich mehr verdient. Je weniger sie gearbeitet hat, desto höher war die Steuerrückerstattung am Ende des Jahres. Doch als ihr Mann plötzlich krank wurde, waren sie darauf angewiesen, dass sie Geld verdient. Sie hat dann leider nur noch einen schlecht bezahlten Beruf gefunden. In der Rente hat sich ihr Modell ebenfalls gerächt. Sie hat nur geringe eigene Rentenansprüche aufgebaut und deshalb auch nur eine sehr geringe Rente erhalten.

4. Erbe und Schenkung gehören mir bei einer Scheidung alleine.

Erbe und Schenkung gehören auch bei einer Scheidung der Person, die es erhalten hat. Das stimmt. Allerdings könnte der Wert gestiegen sein. Diese Wertsteigerung muss aufgeteilt werden, da sie zum Zugewinn zählt. Dadurch kommen Erbinnen odftmals in einen Zugzwang und müssen Teile Ihres Erbes verkaufen. Daher auch einer der gefährlichsten Finanzstolpersteine in einer Ehe.

Lösung: Wer das nicht möchte, kann die Wertsteigerung von Erbe und Schenkung im Ehevertrag ausschließen. 

Beispiel: Ella erbt wertvolle Kunstwerke im Wert von 100.000 Euro, die bereits von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Zum Zeitpunkt der Scheidung haben die Kunstwerke ihren Wert auf 150.000 Euro erhöht. Im Rahmen des Zugewinnausgleichs müsste sie nun 25.000 Euro an ihren Ex bezahlen. Da sie das Geld nicht hat, wäre Yella gezwungen ein Kunstwerk zu verkaufen. Damit ihr das erspart bleibt, hat sie die Wertsteigerung des Erbes im Ehevertrag ausgeschlossen.

5. Bei einer Scheidung bekomme ich Unterhalt.

Unterhalt Scheidung
Altersarmut und existenzielle Sorgen (Quelle: Pixabay)

Das Unterhaltsrecht wurde 2008 umfassend reformiert. Als Leitprinzip steht im Vordergrund, dass beide Ehepartner für sich selbst wirtschaftlich verantwortlich sind. „Einmal Arztgattin, immer Arztgattin“ gilt nicht mehr. Nachehelicher Unterhalt wird nur noch in Ausnahmefällen bezahlt. Wer unterhalt möchte, muss nachweisen, dass es unmöglich ist, eigenes Geld zu verdienen. Dieser Nachweis ist – wen überrascht es? – äußerst schwer. Wer sich auf einen vermeintlichen Unterhaltsanspruch verlässt, übersieht einen der kritischsten Finanzstolpersteine in einer Ehe.

Lösung: Es sollte immer darauf geachtet werden, dass man selbst genügend Geld verdient oder im Notfall verdienen kann. Auch hier ist die eigene Arbeitskraft wieder die beste Absicherung. Zusätzlich kann auch eine Vereinbarung über nachehelichen Unterhalt im Ehevertrag geschlossen werden.

Beispiel: Jana hat sich aus dem Job zurückgezogen bis ihr Kind 15 Jahre alt war. Als die Scheidung sie unerwartet getroffen hat, hat sie auf Unterhalt gehofft. Doch stattdessen musste sie wieder selbst arbeiten gehen. Da sie über 15 Jahre aus ihrem Beruf als Krankenschwester ausgestiegen war, gelang es ihr nicht mehr dort Fuß zu fassen. Die Anforderungen in den Krankenhäusern haben sich so stark verändert, dass sie überfordert war. Auf Unterhalt konnte sie nicht hoffen. Schließlich war sie erst Ende 40. Sie war somit gezwungen umzuschulen und verdient ihr Geld jetzt als Sicherheitskraft in einem Bürohochhaus. Es reicht gerade so, um über die Runden zu kommen.

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