Fünf Gründe für finanzielle Abhängigkeit

Man gerät schneller in die finanzielle Abhängigkeit als man denkt. Wie sieht diese finanzielle Abhängigkeit aus? Man kann das Risiko eines Jobwechsels nicht mehr ohne Weiteres eingehen oder man ist auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen. Man lebt vom Einkommen des Partners oder die eigenen Kinder müssen die Rente aufbessern. Die Gründe für finanzielle Abhängigkeit sind dabei unterschiedlich. Wenn man sie jedoch kennt, kann man leichter unabhängig bleiben.

1. Zu hohe Kosten

Es geht schneller als man denkt. Man hat den ersten Job und plötzlich mehr Geld zur Verfügung. Schnell gönnt man sich ein paar Annehmlichkeiten. Die Wohnung wird größer, das Auto muss mehr PS haben und selbst gekocht hat man ja eigentlich noch nie gerne….

Außerdem wird man plötzlich so nett beraten und hat schwuppdiwupps ein paar neue Versicherungen abgeschlossen. Schließlich muss man sich nun vorsehen und vorsorgen.

Sobald man eine Gehaltserhöhung bekommen hat, steigen die Kosten weiter. Dafür hat man schließlich hart gearbeitet und möchte sich nun selbst belohnen. Das Netflix-Abo muss jetzt sein, um die wenige Freizeit genießen zu können. Man schafft sich Haustiere an und benötigt einen Garten. Kaum versieht man sich, ist das Geld trotz Gehaltserhöhung am Ende des Monats wieder sehr knapp. Außerdem hat Hans-Otto jetzt auch so einen schönen Mercedes. Da ist man neulich mitgefahren und hat sich glatt in dieses Modell verliebt. So viel Fahrkomfort versüßt einem die Heimfahrt nach einem stressigen Tag im Büro.

Diesen Konsumteufelskreis kann man nur durchbrechen, wenn man sich dessen überhaupt bewusst ist. Ist der Lebensstandart erst einmal so stark angestiegen, dass man ihn nur mit einem gut bezahlten Job oder anderweitiger finanzieller Unterstützung aufrecht erhalten kann, befindet man sich in der finanziellen Abhängigkeit.

Die meisten Menschen denken immer noch, dass sie mehr Konsum glücklich macht. Schließlich wird dies tagtäglich in der Werbung suggeriert. Der Preis ist allerdings recht hoch…. Der Konsumteufelskreis ist einer der unnötigsten Gründe für finanzielle Abhängigkeit.

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2. Schulden

Noch schlimmer ist es, wenn einem Konsumschulden im Nacken sitzen. Die Null-Prozent-Finanzierung von Media Markt und Co ist zu verlockend. Dabei ist „verlockend“ genau das richtige Stichwort. Sie lockt vom richtigen Weg ab. Man kauft sich schnell Dinge, die man sich nicht leisten kann. Um sie sich leisten zu können, muss man sich dann wiederum etwas einfallen lassen.

Ein weiteres gängiges Schuldenproblem kann man mit der Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie bekommen. Oft wird das Eigenheim teurer als geplant. Hört man sich um, ist das noch nicht einmal etwas ungewöhnliches. Wenn man allerdings jeden Monat nur noch sehr knapp über die Runden kommt, wird es brenzlig. Man ist darauf angewiesen, dass weiterhin genügend Geld hereinkommt. Eine Auszeit vom Job ist nicht mal mehr drin, wenn man ein Baby bekommen hat.

3. Vergeudetes Humankapital

Flexibilität

Das wertvollste Vermögen in den 20ern, 30ern und 40ern ist das Humankapital. Ausbildung/Studium, Berufserfahrung und Weiterbildung zahlen darauf ein. Das Wichtigste dabei ist, dass man immer dran bleibt. Auch wenn die aktuelle Stelle bequem ist und man alles aus dem FF kann, sollte man sich nicht vor neuen Aufgaben oder zusätzlichen Herausforderungen scheuen. Flexibilität ist eine wesentliche Kompetenz, die den Wert des Humankapitals erhöht. Wer sich vor Umstrukturierungen fürchtet, weil er nicht mehr in der Lage ist sich neuen Themen zu stellen, ist schnell abgeschrieben.

Noch weiter geht die Theorie, dass die Generation Y mehrere unterschiedliche Jobs in ihrem Berufsleben ausüben wird. Umschulungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit üblich sein. Den Job zu Beginn des Berufslebens wird es zum Ende hin oft nicht mehr geben. Daher ist es unerlässlich sich immer weiterzubilden.

Auszeit und Teilzeit

Viele Arbeitnehmer träumen davon einmal einen anderen Alltag zu haben und für eine gewisse Zeit etwas anderes zu machen. Kurze Unterbrechungen im Beruf für eine Auszeit oder Elternzeit von ein bis zwei Jahren sind ok. Doch je länger man sein Wissen und seine beruflichen Fähigkeiten nicht einsetzt und weiterentwickelt, desto wertloser werden sie. Eine mehrjährige Unterbrechung führt schnell dazu, dass man für Arbeitgeber nicht mehr attraktiv ist.

Diese mehrjährige Unterbrechung trifft oftmals Mütter. Sind die Kinder dann größer und selbstständiger, kommt vielen Vollzeit-Müttern wieder der Gedanke zu arbeiten. Doch die Enttäuschung ist groß, wenn man plötzlich merkt, dass die Jobsuche schwierig ist. Die Gehaltsperspektiven sind in vielen Bereichen viel schlechter als vor der Familiengründung. Das nun erzielbare Einkommen reicht nicht, um die Kosten zu decken.

Dazu kommt, dass Frauen schnell in die Teilzeitfalle tappen. In vielen Berufen ist es wichtig, Themen schnell weiterzubearbeiten oder voranzutreiben. Beispielsweise gestaltet sich die Leitung von Projekten mit zusätzlicher Reduzierung der Arbeitszeit immer schwieriger. Die wichtigen Tätigkeiten und somit auch Chancen, um sich zu beweisen werden von Kollegen übernommen. Einerseits schmälert man dadurch seine eigene Berufserfahrung und gleichzeitig den Wert des Humankapitals. Andererseits wirkt sich die Reduzierung der Arbeitszeit auch negativ auf die gesetzliche Rente aus.

Frauen erhalten rund 40% weniger gesetzliche Rente als Männer. Daher landen sie noch öfter in der Altersarmut. Nicht selten sind sie auf die finanzielle Unterstützung ihrer Kinder im Alter angewiesen.

4. Krankheit

Krankheit ist einer der häufigsten Gründe für finanzielle Abhängigkeit. Man denkt insbesondere in jungen Jahren nicht daran, dass die Gesundheit die Ausübung des Berufs verhindern könnte. Jeder vierte wird jedoch berufsunfähig. Das ist eine erschreckend hohe Zahl.

Eine staatliche Erwerbsminderungsrente wird nur in seltenen Fällen bezahlt. Wer nach 1960 geboren ist, bekommt sie nur dann, wenn er keinen einzigen Beruf und keine einzige Erwerbs­tätigkeit länger als 3 Stunden am Tag ausüben kann. Die Voraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente sind nicht erfüllt, wenn gering qualifizierte Tätigkeiten noch zumutbar sind. Ein Pilot hätte also keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, wenn ihm eine Tätigkeit als Paketzusteller oder Putzkraft gesundheitlich zumutbar wäre.

Umso wichtiger ist es daher, dass man dieses Existenzrisiko mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichert. Dadurch kann man seinen derzeitig ausgeübten Beruf absichern und ist nicht gezwungen, eine gering qualifizierte Tätigkeit auszuüben.

5. Familiengründung

Kinder sind toll und gleichzeitig teuer. Mit der Familiengründung steigen in der Regel auch die Kosten. Schnell lässt man sich auch dazu verleiten, Dinge zu kaufen, die der Nachwuchs gar nicht unbedingt benötigt. Babys sind mit einem gebrauchten Kinderwagen genauso glücklich wie mit dem zehn Mal teureren Luxusmodell. Andere Ausgaben lassen sich jedoch nicht so leicht minimieren. Deshalb lohnt es sich genau zu überlegen, welche Anschaffungen wirklich nötig sind, um Kinder groß zu ziehen.

Darüber hinaus trägt man nun die Verantwortung für andere. Alleine dadurch ist die finanzielle Absicherung ein noch wichtigeres Thema.

Die klassische Rollenverteilung zwingt Väter und Mütter zur Abhängigkeit

Die Familiengründung ist zudem insbesondere für Frauen einer der größten Stolpersteine auf dem Weg der finanziellen Unabhängigkeit. Die Erwerbsbiografie wird dadurch unterbrochen. Anschließend kehren die meisten Frauen nur in Teilzeit in den Beruf zurück – wenn sie zurückkehren. Das Einkommen reicht dann nicht mehr aus, um sich selbst und diejenigen, für die man verantwortlich ist, zu finanzieren. In Deutschland arbeiten rund 46 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 64 Jahren in Teilzeit.

Auf Grund der Sozialisierung in Deutschland ist es immer noch üblich, dass die Frauen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeiten wie Kinderversorgung, Pflege der Angehörigen, etc. übernehmen. (Lese hierzu auch den Artikel zu den Folgen des Genderteufelskreises) Für diese Tätigkeiten werden sie nicht entlohnt und zahlen auch keine Beiträge in die Sozialversicherung ein. Stattdessen wird meist Arbeitszeit reduziert, um die Care-Arbeit leisten zu können. Das hat neben einem niedrigen Einkommen auch – wie bereits erwähnt – noch negative Folgen für die Höhe der Rente.

Doch auch Männer werden finanziell abhängiger, wenn die klassische Rollenverteilung gelebt wird. Sie werden zum Haupt- oder Alleinverdiener und sind stark abhängig von ihrem Job. Sie sind oft für das Auskommen der ganzen Familie verantwortlich. Der finanzielle Druck lastet hauptsächlich auf ihren Schultern. Studien zeigen, dass Männer nach der Geburt ihres Kindes mehr arbeiten als zuvor. In Kombination mit schlaflosen Nächten führt es nicht gerade zu einem entspannten Leben.

Das beste Modell für Väter und Mütter wäre, dass beide auf vollzeitnahe Teilzeit reduzieren solange die Kinder noch klein sind. Dadurch lastet die finanzielle Verantwortung auf beiden Schultern und man macht sich nicht sofort voneinander finanziell abhängig.

Nun stellst du dir sicher die Frage, ob du selbst finanziell unabhängig bist. Finde es mit dieser Checkliste heraus.

Kennst du noch weitere Gründe für finanzielle Abhängigkeit? Ich freue mich über Kommentare.

Gründe für finanzielle Abhängigkeit
Quelle: Pixabay

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